Weinberg, Penderecki & Schnittke: String Trios Trio Lirico
Album Info
Album Veröffentlichung:
2019
HRA-Veröffentlichung:
06.09.2019
Label: audite Musikproduktion
Genre: Classical
Subgenre: Chamber Music
Interpret: Trio Lirico
Komponist: Mieczyslaw Weinberg (1919-1996), Krzysztof Penderecki (1933-), Alfred Schnittke (1934-1998)
Das Album enthält Albumcover Booklet (PDF)
- Mieczysław Weinberg (1919 - 1996): String Trio, Op. 48:
- 1 String Trio, Op. 48: I. Allegro con moto - Moderato - Allegretto con Moto 06:25
- 2 String Trio, Op. 48: II. Andante 04:39
- 3 String Trio, Op. 48: III. Moderato Assai 04:16
- Krzysztof Penderecki (b. 1933): String Trio:
- 4 String Trio: I. Allegro Molto 08:03
- 5 String Trio: II. Vivace 05:41
- Alfred Schnittke (1934 - 1998): String Trio:
- 6 String Trio: I. Moderato 14:00
- 7 String Trio: II. Adagio 11:51
Info zu Weinberg, Penderecki & Schnittke: String Trios
Musik von drei osteuropäischen Komponisten, die unter den Repressalien autoritärer Regimes zu leiden hatten ‒ komponiert für die intime Besetzung mit Geige, Bratsche und Violoncello: Das ist höchst expressive Bekenntnismusik ‒ oder „Herzensmusik“, wie es das Trio Lirico empfindet.
Wenn das Trio Lirico drei Komponisten aufs Programm setzt, die bis 1989 östlich des Eisernen Vorhangs lebten und wirkten, dann ist das zumindest für die Geigerin Franziska Pietsch und die Bratschistin Sophia Reuter eine Musik, die sie ‒ um Goethe zu paraphrasieren ‒ „mit der Seele suchen". „Wir waren schon als Kinder in Ostberlin eng befreundet", sagt Franziska Pietsch über ihre Kollegin an der Bratsche. „Also haben wir zusammen eine persönliche Geschichte, eine ähnliche Spielweise und eine ähnliche Art, uns über diese Musik ohne Worte zu verständigen. Wir fühlen sie einfach."
Diese persönliche Art der Wahrnehmung, in die sich der Bremer Cellist Johannes Krebs empathisch einfügt, ist nicht unwichtig für eine Musik, die sich nicht nur aus den Noten, sondern in hohem Maße aus dem kulturellen und politischen Umfeld erschließt, in das sie hineinkomponiert wurde. Sicherlich hatte Krzysztof Penderecki (geb. 1933) nach der politischen Liberalisierung des polnischen Musikbetriebs seit 1956 die Möglichkeit, an avantgardistische Entwicklungen im Westen anzuknüpfen und seine ganz eigene, unverwechselbare Moderne zu schaffen. Sein Generationsgenosse Alfred Schnittke (1934-1998) und der ältere Mieczysław Weinberg (1919-1996) hingegen mussten ihre Musik bis zum Ende der Sowjetunion gegen massive Schikanen der Behörden durchsetzen, die im Fall von Weinberg bis zur Verhaftung aus antisemitischen Motiven reichte.
Der in Warschau geborene Weinberg, der während des Zweiten Weltkriegs in die Sowjetunion geflohen ist, stand in engem Austausch mit seinem Freund und Mentor Dmitri Schostakowitsch. Dennoch ist Weinbergs Musik ganz eigenständig und balanciert im Streichtrio von 1950 auf dem Grat zwischen populären Weisen und Anklängen an jiddische Musik. Alfred Schnittke, der mit seinen (wolga)deutschen und jüdischen Erbteilen in der Sowjetunion einen schweren Stand hatte, komponierte sein Trio 1985 zum Geburtstag des großen Kollegen Alban Berg ‒ und erlitt kurz nach der Komposition einen lebensgefährlichen Schlaganfall, der dem Werk im Nachhinein eine tragische Note verlieh. Das jüngste Werk dieser CD schließlich stammt von Krzysztof Penderecki, dem bedeutendsten polnischen Gegenwartskomponisten: 1991 hat er sein Streichtrio als große Improvisation für drei Spieler mit einer strengen und wilden Fuge komponiert.
Trio Lirico:
Franziska Pietsch, Violine
Sophia Reuter, Viola
Johannes Krebs, Violoncello
Trio Lirico
Die drei Musiker des Trio Lirico verbindet zum einen ihre Leidenschaft für die Kammermusik; zum andern verfolgen alle drei auch ihre Karrieren als Solisten. Diese solistische Prägung im Kammermusikverbund ist das Markenzeichen des Ensembles: Die kammermusikalische Zwiesprache wird mit solistischer Leidenschaft gehalten, drei charaktervolle Persönlichkeiten „unterhalten“ sich auf Augenhöhe, pflegen ihre Individualität, ohne die Ensemble-Homogenität zu vernachlässigen. Dabei heraus kommt eine einzigartige Mischung voller Temperament, Spielfreude und reizvoller Spannungen.
Hinzu kommt der nuancenreiche, beseelte Streicherklang und die gelungene Verbindung von Stiltreue und persönlichem Zugriff in den Interpretationen: All dies führte dazu, dass sich das Trio Lirico bereits kurz nach seiner Gründung im Jahr 2014 erfolgreich im Konzertleben etablieren konnte.
Das weitgefächerte Repertoire des Ensembles reicht von der Klassik bis hin zu zeitgenössischen Werken; zusätzlichen Charme verleiht den Konzerten die Integration von Streichduos in die Trio-Programme.
Anlässlich des 100. Todesjahres von Max Reger hat das Trio Lirico im Herbst 2016 sein Debüt Album beim Label audite aufgenommen. Die CD ist im September 2017 erschienen.
Georg Christoph Biller, (*20.09.1955) Thomaskantor, Dirigent und Komponist hat dem Trio ein Streichtrio "Rilke-Metamorphosen" gewidmet. Die Uraufführung fand am 28.09.2017 in Bayrischzell - Deutschland statt. Eine weitere Einspielung mit Werken von Schnittke, Weinberg und Penderecki wird 2019 veröffentlicht.
Booklet für Weinberg, Penderecki & Schnittke: String Trios